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Kirche vor Ort

Kapelle in Hütter

Aldersbach Pfarrverband am 23.06.2021

Kapelle

Walch­sing. Kapel­len, Kreu­ze und Mar­terl prä­gen von jeher die Fel­der und Flu­ren unse­rer baye­ri­schen Hei­mat. Sie ent­ste­hen oft aus Dank­bar­keit oder erin­nern an ein Unglück. Aber lei­der fährt man in der Hek­tik des All­tags nur all­zu oft an ihnen vor­bei, ohne ihnen gro­ße Beach­tung zu schen­ken. Ein beson­ders schö­nes Exem­plar fin­det man in Hüt­ter auf der Staats­stra­ße Rich­tung Alten­markt neben der Baum­schu­le Platt­ner. Tag für Tag über­quert Bar­ba­ra Erner, die mit ihrem Mann Hans gegen­über wohnt, die Stra­ße, um die Kapel­le mor­gens auf­zu­sper­ren bzw. abends wie­der abzu­schlie­ßen, sie jah­res­zeit­lich zu schmü­cken oder ein­fach nach dem Rech­ten zu sehen. An Fron­leich­nam zau­bert sie aus Blu­men aus ihrem Gar­ten einen Blu­men­tep­pich und legt ihn zu Füßen des Altars.

Wen es inter­es­siert, den führt sie ins Inne­re und erzählt die Geschich­te die­ses Klein­ods. Ursprüng­lich, so führt Bar­ba­ra Erner aus, stand auf der gegen­über­lie­gen­den Stra­ßen­sei­te ein Mar­terl, weil nach alter Über­lie­fe­rung an die­ser Stel­le einst ein Bau­ern­sohn, nach­dem er etli­che Rin­der auf dem Markt in Aiden­bach ver­kauft hat­te, auf dem Nach­hau­se­weg über­fal­len, erschla­gen und aus­ge­raubt wor­den sein soll. An der­sel­ben Stel­le errich­te­ten hier die Ehe­leu­te Flo­ri­an und The­res Leher vom Hoi­beck-Hof in Kries­torf spä­ter eine höl­zer­ne Kapel­le als Gedenk­stät­te für ihre bei­den im Jah­re 1812 im Napo­le­on Feld­zug in Russ­land gefal­le­nen Söh­ne Flo­ri­an und Jakob. Schon damals stand eine Holz­fi­gur, die die Schmerz­haf­te Mut­ter­got­tes dar­stell­te im Inne­ren der Kapel­le. Die Figur einer Mut­ter mit ihrem im Schoß lie­gen­den toten Sohn, pass­te nur zu gut zu dem Schmerz, den das Ehe­paar Leher über den Ver­lust ihrer bei­den Söh­ne emp­fun­den haben muss. Vie­le Men­schen, die eben­falls Trost und Hil­fe such­ten, besuch­ten die Kapel­le. Davon zeu­gen noch heu­te Votiv­ta­feln von denen lei­der nur noch weni­ge erhal­ten sind.

Die Kapel­le ver­fiel aller­dings im Lau­fe der Zeit zuse­hends und muss­te letzt­end­lich der Stra­ßen­er­wei­te­rung im Jah­re 1998 wei­chen. Cen­ta Gerstl aus Pörn­dorf, die nun­meh­ri­ge Eigen­tü­me­rin des Are­als, ent­schied sich schließ­lich im Jah­re 2000 dazu eine neue Kapel­le aus Zie­geln als Ersatz bau­en zu las­sen. Da die alte Pie­ta, noch kurz vor Abriss der alten Kapel­le, gestoh­len wur­de, fer­tig­ten die Holz­schnit­zer Sigi Schaf­fel­hu­ber und Fass­ma­ler Josef Her­mann­se­der eine neue Madon­nen­fi­gur, die ihren Platz über den eben­so neu gestal­te­ten Altar fand. Zudem stell­ten sie ihr den Hei­li­gen Josef, den Namens­pa­tron von Cen­tas Gerstl Vater und links den Hei­li­gen Kon­rad zur Sei­te. An den Wän­den wur­den die letz­ten, ver­blie­be­nen Votiv­bil­der ange­bracht und Kunst­his­to­ri­ker und Maler Gün­ter Wolf fer­tig­te eine ver­klei­ner­te Kopie des alten und eben­falls ver­schol­le­nen Gna­den­bil­des an. Dar­auf zu lesen der Spruch, den schon das Ori­gi­nal zier­te: Komm nur her­zu mein from­mer Christ, sag mir was dein Anlie­gen ist. Bei mei­nem Sohn erhalt ich dir, ohne Trost sollst du nicht gehen von hier.“ Zur Abtren­nung von Altar­raum und Sitz­be­reich wur­de von Hand ein geschmie­de­tes Git­ter ange­fer­tigt, den ein gol­de­ner Engel ziert, der eines Tages ein­fach von unbe­kann­ter Hand in die Kapel­le gelegt wor­den war. Umge­ben ist die Kapel­le von einer klei­nen park­ähn­li­chen Anla­ge, die von der benach­bar­ten Baum­schu­le Platt­ner gepflegt wird und eine Sitz­grup­pe lädt zum Ver­wei­len neben der Kapel­le ein. 

Wenn man die Hüt­ter Bär­bel, wie Frau Erner lie­be­voll genannt wird, fragt, war­um sie sich um die Kapel­le küm­me­re, dann ant­wor­tet sie, dass es ihre Art sei, dan­ke zu sagen. Nach ihrer Flucht aus Schle­si­en zusam­men mit ihrer Mut­ter und zwei Geschwis­tern — der Vater war im Feld geblie­ben — gehe es ihrer Fami­lie und ihr gut. Und wenn sie schon auf Grund ihres Alters nicht mehr in der Lage sei den Got­tes­dienst zu besu­chen, so führt sie wei­ter aus, nut­ze sie die benach­bar­te Kapel­le, um dort Ruhe und Andacht zu fin­den. Am 21. Juli jährt es sich zum zwan­zigs­ten Mal, dass die Hüt­ter Kapel­le“, wie sie genannt wird, von dem gebür­ti­gen Pörn­dor­fer Msgr. Alo­is Furt­ner und dem dama­li­gen Alders­ba­cher Pfar­rer Dr. Richard Gei­er fei­er­lich geseg­net wur­de. Seit die­ser Zeit küm­mert sich Frau Erner um sie und wird es wei­ter tun, solan­ge sie es kann.

Text: Bri­git­te Mörtlbauer-Ruhland

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